Verletzlichkeit

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Ich bin verletzlich bei dem, was mir wichtig ist. Bei meinen Herzensprojekten.
z.B. bei meiner Stallgemeinschaft. Bei meinen Pferden fühle ich mich spannenderweise nicht verletzlich. Bei ihnen habe ich großes zutrauen in sie, dass sie ihren Weg gehen werden. Das sie sich auch unabhängig von mir gut um sich kümmern.
Ich bin bei meiner Stallgemeinschaft verletzlich. Einer Mensch- Pferde-Herde die ich liebevoll und sorgfältig hege. Aus dieser Gemeinschaft ziehe ich meine Energie und tanke Kraft. Das sind die , die in schwierigen Zeiten mit mir sind. Und genau in dieser Gruppe fällt es mir sehr schwer, Veränderungen auszuhalten. Am liebsten möchte ich die Gruppe konservieren. Aber die Pferde und vor allem die Menschen entwickeln sich ständig weiter und ich kann das nicht kontrollieren und steuern. Manche gehen und machen ihr eigenes Ding (in den letzten Jahren wurden insgesamt 8 Pferde gekauft, 3 neue Ställe eröffnet und 2 Selbstständigkeiten mit Pferden erschaffen und auch zwei Ehen geschieden) Und jetzt kommen gerade viele neue Menschen, die mitmachen möchten und das bringt mich schon wieder durcheinander. Zum Glück sind ein paar Menschen stabil dabei und helfen mir, damit umzugehen.
Vielleicht muss ich hier auch lernen der Stallgemeinschaft zuzutrauen, dass sie ihren Weg gehen wird, so wie ich das meinen Pferden zutraue.
Bei meiner Herde habe ich Angst vor Veränderung. Aber sonst bin ich ein Mensch, der sich nach Veränderung sehnt. Unsere Gesellschaft, die gesamte Menschheit braucht so dringend Veränderung, damit die Erde überlebt und die Menschen lernen können glücklich zu sein. Hier habe ich Angst, dass wir uns als Menschheit nicht schnell genug Verändern.
Also habe ich gleichzeitig Angst vor Veränderung und Stillstand

Viele von euch schreiben von Existenzangst. Die habe ich auch manchmal, aber nicht so stark. Mir kam dazu eine Idee: Gunther Schmidt hat mal gesagt, dass wir in einer traumatisierten Gesellschaft leben. Und zwar insofern, dass wir traumatisiert davon sind, in unserer Leistungsgesellschaft nicht gut genug funktionieren zu können.
Ich glaube, es ist wirklich ein gesellschaftliches Thema und kein Individuelles: Wir alle haben gelernt, dass mit dem, was mich Glücklich macht, kein Geld zu verdienen ist. Wir haben gelernt, dass Geld verdienen etwas mit Anstrengung, Anpassung und Unterdrückung von eigenen Bedürfnissen zu tun hat. Und nicht mit Spaß. Aber was, wenn es doch geht und wir „nur“ traumatisiert sind. Dann wäre es völlig logisch, dass wir, wenn wir unseren Ruf folgen, der Wunde nicht nur in uns, sondern auch in diesem gesellschaftlichen Trauma begegnen. Ich würde diesen Gedanken gerne weiterspinnen und auch schauen, ob man in den Methoden der Traumaheilung mögliche Lösungsansätze finden kann. Mag hier Jemand mitspinnen?